Der Web Montag ist ein dezentral organisiertes, informelles Treffen zum Thema Web 2.0 (im weitesten Sinne), das Anwender, Entwickler, Gründer, Unternehmer, Forscher, Web-Pioniere, Blogger, Podcaster, Designer und sonstige Interessenten zusammenbringen möchte.
http://webmontag.de/
Gestern Abend war ich bei meinem ersten Webmontag hier in Hannover, mein erster Besuch einer Veranstaltung dieser Art. Und gleich eins vorweg1: Ich fand das Event toll und werde es auch wieder besuchen, sofern es mein Terminkalender zulässt.
Wie oben schon beschrieben, gehts bei dem Webmontag um einen Interessensaustausch. In der Regel gibt es mehrere Referentden, die einen Vortrag zu einem bestimmten Thema halten. Gestern waren das die Themen “Crowdsourcing”, “CeBIT WebCiety 2010″ und “SEO: Linkaufbau” sowie ein kleiner Aufruf ob Interesse besteht, an einer Co-Working-Initiative mitzuwirken2. Die Themen fand ich alle drei recht interessant, nur fand ich auch, dass es irgendwie zu wenig waren. Vor allem, weil nur der letzte Beitrag wirklich einen Mehrwert3 hatte.
Los ging die ganze Veranstaltung mit Regen. Auf dem Hinweg mussten wir etwa 500 Meter durch den stömenden Regen gelaufen. Dementsprechend waren wir auch durchgenässt. Als wir dann beim DHC angekommen waren und etwas getrocknet sind, haben wir den Raum betreten und mein erster Eindruck war der, den ich mir auch vorgestellt habe: “Man, sind das viele Nerds”4. Was ich dann am Anfang schon schwer fand, war die Wahl des Sitzplatzes. Wahrgenommen habe ich viele kleine Grüppchen, die, wie sich im laufe des Abends auch rausstellte, klein blieben. Die Integration, grade für mich als Neuling, empfand ich als sehr schwer. Wo hingehen, was machen und wie überhaupt; mein Kopf war voller Fragen. Und wirklich klar war mir das System dort auch nicht. Den Tisch mit den Namensschildern beispielsweise habe ich erst gesehen, als andere ankommende zielgenau dort hingelaufen sind.
Als es dann endlich losging5 war ich schon ein bisschen gespannt, auf das, was dort auf mich kommt. Leider haben irgendwie nicht alle mitbekommen, dass es losging und bis alle dann endlich mal ruhig waren, vergingen wieder einige Minuten. Insgesamt fehlte auch so etwas wie ein Mikro, da der Sound in dem Raum doch recht schlecht war. Die Moderation allgemein fand ich aber sehr gut. Nicole Y. Männl hat ganz gut durchs Programm geführt.
Als erstes gabs dann einen Vortrag von Rene Glembotzky zum Thema Crowdsourcing. Crowdsourcing oder auch “Interaktive Wertschöpfung”6 bedeutet soviel wie die Auslagerung von eigentlich internen Arbeitsabläufen in eine nicht näher definierte, größere Gruppe von Menschen. Beispielsweise hat dies bei der Übersetzung von Facebook funktioniert. Auch Buzzriders ist definitiv ein Crowdsourcing-Projekt und im weiteren Sinne kann man auch Wikipedia dazuzählen. Den Vortrag vom Rene allerdings empfand ich als viel zu oberflächlig. Ein Bug-Tracking-System für User als Crowdsourcing7 zu zeigen und sonst eigentlich nur mehr oder weniger Werbung für das eigene System zu machen, fand ich doch etwas mau. Auch die Nachfrage, wie beispielsweise Crowdsourcing bei Facebook umgesetzt wurde, war eigentlich recht leicht für jeden zu beantworten, der sich wirklich mit dem Thema beschäftigt hat8. Bei dem Vortrag hatte ich das Gefühl, dass sich mit dem Thema nicht wirklich tiefgehend beschäftigt wurde. Vielleicht liege ich da auch nur falsch, weil die Struktur des Webmontags ja auch nur recht oberflächlige Vorträge zulässt, aber im Vergleich zum Beispiel zu dem letzten Vortrag war doch schon gravierend.
Das zweite Thema war ein kurzer (Info-)Vortrag zum “CeBIT Webciety”-Projekt. Hier wurde in diesem und wird im nächsten Jahr versucht, einen Teil der CeBIT wie das Internet zu gestalten. Barrierefrei und schnell von Stand zu Stand. Viele Informationen in kurzer Zeit. Dazu gibt es keine eigenen Stände sondern nur einen Bildschirm und einen Tresen. Als Besucher kommt man so schnell von einem zum nächsten Stand, ähnlich wie man im Internet von einer Seite mittels verlinkung schnell zur anderen Seite kommt9. Des weiteren gibt es ein Rahmenprogramm (mittlerweile auch in Deutsch http://webciety.de/?p=3144), bei dem es um viele Themen rund um das Web geht. Alles soll kurz angerissen werden, sodass sich jeder “kurz” und “schnell” informieren kann.10. Das Konzept ansich fand ich ganz interessant, der Vortrag verkam aber irgendwie zu einer Art Werbeveranstaltung und die Diskussion hinterher ging kaum um Inhalten und mehr um die Art der Präsentation. Fand ich eigentlich schade, aber verständlich. In der Präsentation wurde mit Begriffen umsich geworfen, die eigentlich unverständlich waren11. Viel mehr kam dann allerdings auch nicht.
Zu letzt gab es einen Vortrtag von Alan Webb der im Bereich der Suchmaschienen-Optimierung arbeitet und auch einen Vortrag zum Thema “SEO: Linkaufbau – Wo man aufpassen muss.” Ein hoch-interessanter Vortrag von einem sehr charmanten Referenten. Inhaltlich kann ich das nicht wirklich wiedergegeben, aber es hat mein Verständis für Suchmaschienen-Optimierung definitiv gesteigert. Der Vortrag bzw. die Diskussion/Fragerunde hatte einen Mehrwert und auch, wenn er über rund 60 Minuten ging, konnte man gut zuhören, es war nie langweilig. War ein toller Vortrag und dem entsprechend auch ein toller Abschluss der Veranstaltung.
Insgesamt hat es mir tatsächlich gefallen, auch wenn das vielleicht in dem Beitrag nicht ganz durchkommt. Es gibt viele Kleinigkeiten, die mich gestört haben, aber ich nehme trotzdem was mit aus der Veranstaltung. Sofern es wieder gut zu meinen Terminen passt, werde ich auch wieder kommen und hoffentlich dann auch ein paar Leute mehr kennen lernen.
- weil gleich einiges an Kritik kommt [↩]
- zu den drei Themen werde ich später was schreiben, zum Thema CoWorking gibts demnächst noch einen extra Artikel [↩]
- für mich persönlich [↩]
- definitiv nicht negativ gemeint
[↩] - deutlich zu spät [↩]
- finde den Begriff deutlich angenehmer [↩]
- und noch totale neuerung [↩]
- Google-Suche nach “Facebook” und “übersetzung”; bei dem 4. Suchergebniss steht: “User, die die Facebook-Übersetzungsanwendung ihrem Profil hinzugefügt hatten, erhielten die Möglichkeit, Übersetzungsvorschläge direkt während der Nutzung zu machen. Anschließend stimmten die anderen Facebook-Nutzer über diese Übersetzungsvorschläge mittels eines Voting-Systems ab.“ [↩]
- Video [↩]
- wie das auf Messen nunmal so ist [↩]
- bspw. Fireside-Talk [↩]
Hallo – für den “verkorksten” Vortrag zur Webciety übernehme ich voll die Verantwortung. Es sollte eigentlich in einer Diskussion über die Inhalte wie auch eine aus dem Webmontag generierte Session enden – ist aber aufgrund meiner vorschnellen Arbeitsversion in einer Diskussion über die Begrifflichkeiten geendet. Sorry. Ich freue mich aber über jeglichen inhaltlichen Input auf dem Webciety-Blog – und stehe dort auch Rede und Antwort. Grüsse. Bjoern
Grüß Dich, das zu Intensive in die Tiefe gehen beim Webmontag ist leider nicht angebracht; gerade bei Themen, von denen ein Großteil noch nichts gehört hat – da hast Du Recht.
Allerdings muss ich Dich bei der Translation-Story korrigieren; ich denke mal, dass es an der Lautstärke gelegen hat. Facebook hat über eine App übersetzt – da habe ich auch mitgemacht. Die Rückfrage von Nicole bezog sich allerdings auf Twitter. Twitter lässt derzeit die Crowd die Software übersetzen und hat die Beteiligten ohne nachvollziehbare Hintergründe ausgewählt, so dass ich an der Stelle überfragt war.
Beim ConventionCamp am Donnerstag werde ich wahlweise tiefer in das Thema Crowdsourcing oder Cloud Computing und Skalierbarkeit reingehen; da nehmen an der Session nur die Teilnehmer teil, die sich mit dem Thema schon auseinandergesetzt haben…
Viele Grüße aus Hannover,
Rene