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Ein Morgen aus dem Leben zweier Hände

Ich möchte nur ankündigen, dass dieser Text meiner Fantasie entsprungen und keinerlei autobiografischen Inhalte besitzt!

Mittwoch Morgen, 6:00, der Wecker klingelt. In dem Bett liegt ein Mann der mit dem Klingeln aufschreckt. Mit Wucht haut er mit der linken Hand auf den Wecker, woraufhin dieser sofort verstummt.
“Aua,”, schreit die linke Hand auf, “das tat weh. Muss er das jedes mal machen?”
Von der anderen Hand vernimmt man nur ein leises kichern.
“Freu dich ja nicht zu früh” ruft die Linke de Rechten zu und hat schon gesehen, was der Mann vor hat. Die rechte schaut nur nach oben und sieht 2 große Löcher auf sich zukommen. Eines wird direkt angesteuert. Der Zeigefinger versenkt sich in dem Loch und fängt an, darin rumzupuhlen.
“Ihhhh, bäääääähhh” entfährt es der rechten Hand. Die linke, schadenfroh wie sie ist, freut sich über die umgehende Rache des Herren. “Rache ist so süß” denkt sie sich und kauert sich genüsslich zusammen, während dir Zeigefinger der rechten Hand am Bettlaken abgewischt wird. “Kleine Sünden bestraft der Liebe Gott sofort” ruft die Linke der Rechten rüber, “Jeder bekommt, was er verdient!”. Die Rechte ärgert sich über die Freude der Linken und weiß, dass dies nicht die letzte grausame Tat des Tages sein wird.

Die beiden Hände gehören einem Mann, Mitte dreißig. Er ist Single und Arbeitet in einem Alten- und Pflegeheim. Martin, so ist sein Name, ist Rechts-Händer. Die rechte Hand hat das Problem, dass sie viele eklige Sachen machen muss. Kratzen gehört beispielsweise auch zu den Aufgaben der Hand. Und Kratzen muss sich Martin oft. Die Rechte Hand wird oft von der Linken wegen der Aufgaben gemobbt. Die Linke hat eher die entspannter Position. Sie kann nicht viel, ist zu nicht viel zu gebrauchen. Hilfsarbeiten. Gabel, Bücher oder das Frühstücksbrötchen halten.
Und schon geht die Aufstehprozedur weiter. Martin setzt sich auf und streicht sich, wie immer, mit der rechten Hand durch seine fettigen Haare und kratzt sich an seinem Genital.
“Immer muss ich die scheiße machen, immer muss ich an diesem labberigen Sack rumkratzen” brüllt die rechte Hand auf. Sie ist sauer. Martin schreitet ins Bad. Noch total verträumt reibt er sich die Augen.
“Brrrrrrrrrrr” schreit die linke Hand auf, nachdem Martin das Wasser aufgedreht hat. Die Linke muss auch immer die Wassertemperatur testen und jedes mal testet Martin wieder zu früh, wie warm das Wasser schon ist. “Ich frrrrrrierrre”. Kaum ausgesprochen wurde das Wasser plötzlich so warm, dass sich die Hand verbrühte. “Scheiße, ich werd ganz Rot”. Die Rechte kann nur amüsiert schauen und bildet eine Faust als Siegergeste.

Nachdem das Wasser nun endlich eingestellt ist, werden Zähne geputzt. Der Rechten Hand wird von der kreisenden und ruckelnden Bewegung total schwindelig. “Alles nur, damit diese langweiligen Zähne sauber sind” denkt sie sich, “mich macht Martin nie so sauber”.
“Weißt du, was ich nicht verstehe? Diese Langweiler im Mund oder dieser dumme Sack werden voll verwöhnt, aber um uns kümmert er sich nie. Nicht mal nach dem Toilettengang wäscht er uns ordentlich ab und an mir bleibt immer ein Tropfen hängen. Warum macht er dass?” fragt die Rechte die Linke?
“Ja das regt mich auch immer auf. Wir müssen die Drecksarbeit machen und alle anderen werden immer verwöhnt. Am liebsten würd ich hier abhauen” mein die Linke.
Das ist leichter gesagt als getan, hängt doch die Hand am Körper. Und die Gedanken an eine Revolte werden normalerweise vom Boss der Hände, dem Gehirn, sofort abgeblockt. Das Gehirn ist ein sehr loyaler Typ. Kein Wunder, das Gehirn muss ja auch nichts machen ausser denken.
Nach dem Spülen des Mundes und dem rasieren kommt das Horrorszenario der Hände.
“Was gibt nichts schlimmeres als den morgendlichen Toilettengang” ruft die Linke.
“Da hast du recht.” meint die Rechte. “Allerdings ist die Abendbeschäftigung im Bett auch nicht besonders angenehm Nach dem Toilettengang macht er sich immerhin manchmal sauber, Abends im Bett allerdings nicht. Du weißt ja gar nicht, wie eklig das ist!”Einige Minuten sitzt Martin nun dort, blättert mit der rechte Hand eine Sportzeitschrift durch.
“Menno, die Kanten der Zeitung sind immer so scharf” meckert die Rechte, allerdings erwartet sie in dem Moment schon das schlimmste. Martin ist fertig und greift nach dem Toilettenpapier
“Es geht los” jault die Rechte Hand. Martin greift das Toilettenpapier und wischt sich mehrfach über den Hintern. “Puh geschafft” freut sich die Hand, nachdem sie abgewaschen wurde.

Nach dem Ankleiden, in dem die beiden Hände schon ein sehr eingespieltes Team sind, geht es zum Frühstückstisch. Martin gähnt. Auch die Linke ist Hundemüde. Der Blick auf die Uhr zeigt 6:33. Es ist früh.
“Ich bin nicht zum früh aufstehen geboren” jault die Linke los. “Ich kann nicht verstehen, wie du das immer so schaffst, rechte Hand, dass du morgens so Fit bist.”
“Hör auf zu Jammern. Du bist halt nen Langschläfer und ich nen Frühaufsteher. Der Frühe Vogel fängt den Wurm. Je früher ich aufstehe, desto fitter bin ich. Sollteste dir auch mal ein Beispiel dran nehmen und nicht die ganze Nacht faxen machen.”
Die Linke turnt abends immer. Und hin und wieder ärgert sie auch die rechte Hand. Oft endet das im Streit und beide reden Tagelang nicht miteinander. Aber sie können auch nicht ohne einander. Sie sind wie für einander geschaffen. Am ende umarmen sie sich doch wieder und kuscheln sich aneinander.
Martin schneidet ein Brötchen auf un rutscht dabei versehentlich ab. Die Linke, die das Brötchen gehalten hatte, bekommt einen schnitt und fängt an zu Bluten.
“Hilfee, Hilfeeeeeee, ich bin getrooooffeeen” weint sie. “Warum hilft mir den keiner”. Martin ist aber schon bei dem Medizinkasten und Kramt ein Pflaster hervor. Dieses wird Fachgerecht auf den kleinen schnitt geklebt. “Es tut so weeeh” jammert die Hand aber immer noch, obwohl die Rechte schon wieder das Messer in der Hand hat und den Nutella-Topf ansteuert. Gezielt, mit einer leichten 180°-Drehung wird einHaufen der braunen Masse auf dem Messer aufgehäuft und danach auf dem Brötchen verteilt. Martin leckt sich kurz den rechten Zeigefinder ab und beißt dann genüsslich in das Brötchen. Beide Hände fangen zeitgleich an, höhnisch zu lachen. Über die Zähne. Die Langweiler aus dem Mund bekommen nun auch endlich ihre Aufgabe und diese sieht nicht sehr angenehm aus. Ein Stöhnen der Zähne ist auch zu vernehmen.
“Hoffentlich bleibt nichts zwischen den Zähnen hängen” betet aber im selben Moment noch die Rechte Hand. Doch es ist schon zu Spät. Zielgenau rutscht der Fingernagel des Zeigefingers in einen Zahnzwischenraum und holt etwas Teig aus der Lücke. Währenddessen hat die Linke ein anderes Problem. Wieder mit der Temperatur. Sie hat die, noch viel zu heiße, Tasse Kaffee angefasst und sich dabei, heute schonzum zweiten mal, leicht verbrannt. Gebeutelt fängt diese wieder an zu Jammern.
“Warum kann er nicht ein mal aufpassen… erst verbrennen, dann erstechen und dann noch mal verbrennen. Das wird sicher ein suuuper Tag”.
Dich mit diesen Problem kann sich die Rechte Hand nicht beschäftigen Ihr sitzt noch etwas Teig unter dem Fingernagel. “Eklig” ruft sie. Doch Martin stört es nicht.
“Wir haben schon ein scheiß leben” jammert die linke Hand als das Frühstück beendet ist. “Warum tut man uns das nur an…”
“Ach sei doch froh” meint die Rechte. “Denk doch mal an früher… vor Vielen Jahren… als wir noch Füße waren…”
“Ja du hast recht, aber trotzdem. Wieso können wie nicht mal ein angenehmes Leben haben… wie die Ohren beispielsweise. Die müssen nur hören und werden immer umsorgt… oder die Augen.”
“Ja Linke, ich weiß… aber wenn wir uns Mühe geben, werden wir sicherlich auch irgendwann in der Hirachie aufsteigen.”

Martin verlässt das Haus und macht sich auf dem Weg zur Arbeit. Der Tag für die Hände hat gerade erst angefangen aber es wird, wie immer, sicherlich eins her harter werden. und morgen wiederholt sich die Prozedur wieder… und übermorgen… und den Tag danach… und den Tag danach… und den Tag danach….

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