“Unser Wirtschaftssystem ist ein Gebilde von höchster und subtilster Differenziertheit bei grundsätzlicher Anarchie.”
Wilhelm Röpke
Ein durchschnittliches Unternehmen in Deutschland folgt immer dem selben Ablauf. Nach Marktforschung wird ein Produkt entwickeln, produziert, vermarktet, Profit erwirtschaftet. Zumindest so der simple Plan. Meist werden die Produkte im stillen Kämmerlein entwickelt und irgendwann veröffentlicht. Dann versucht man bei Zulieferern die Preise zu drücken, sodass immer der eigene Gewinn im Vordergrund steht. “Möglichst wenige Mitglieder partizipieren auch möglichst wenig am Produkt, also steigt auch mein Gewinn.” Nun habe ich mehrere Beispiele gefunden, die eben anders an jeweils beide Aspekte rangehen. Zwei davon möchte ich heute mal vorstellen.
BUZZriders1
Buzzriders ist ein Projekt, welches “das lokale” ins Internet bringen will. Es soll eine Internet-Plattform erstellt werden, wo jeder Nachrichten aus seiner Straße, seinem Viertel, seiner Stadt… veröffentlichen kann. Der kleine Einzelhandel soll gefördert werden. Die Menschen sollen ihre lokalen Bekanntschaften auf diese Plattform übertragen und so ein neues Kommunikationsmittel schaffen, um schneller zu kommunizieren, Infos zu finden, etc.
BUZZriders will unter Zuhilfenahme moderner Online-Werkzeuge das Internet “lokalisieren” und zu den Menschen bringen. Damit sie sich lokal über das wichtigste Tagesgeschehen austauschen und informieren sowie untereinander vernetzen, Jobs suchen, Gebrauchtwaren verkaufen, Produkte und Dienstleistungen vor Ort finden oder einfach nur Spaß haben können. Menschen leben, arbeiten und handeln überwiegend lokal. Genau dies greift BUZZriders auf und will sich als die lokale Anlaufstelle im Netz etablieren.
Erstellt wird das ganze Projekt unter der Führung von Robert Basic2. Und das ganze wird nicht, wie “normale” Produkte, im stillen Kämmerlein produziert, sondern öffentlich. Jeder kann an der Entwicklung und Planung des Projektes teilnehmen. Das läuft über diverse Kommunikationswege oder über reale treffen3. Dort kommen Leute aus verschiedene Branchen zusammen und diskutieren, wie das Produkt aussehen soll, was es können und machen soll. Robert Basic hat dabei nur vorgegeben, dass es eine Plattform fürs Lokale sein soll. Alles funktioniert erstmal auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis. Sofern irgendwann mal Geld erwirtschaftet wird, sollen die einzelnen Teilnehmer an der Entwicklung natürlich auch davon partizipieren.
Das tolle ist, jeder Teilnehmer kann seine eigene Kreativität, seine eigenen Ideen und Erfahrungen in das Projekt mit einbringen. So entsteht ein Produkt, was von User für User erstellt wird und natürlich auch vollkommen transparent abläuft. Hier kann man wirklich reinschauen, wie sich so etwas entwickelt. Für Teilnehmer sicherlich eine Erfahrung, die man nicht missen sollte.
Premium-Cola4
Das zweite Beispiel finde ich sogar fast noch interessanter. Es handelt sich um die Sogenannte “Demokritischste Cola der Welt”. Diese Cola, und das ist das besondere, arbeitet nach dem Prinzip der Konsensdemokratie. Dies bedeutet soviel wie, dass nicht die Person von oben herab bestimmt was passiert, sondern die Mehrheit entscheidet wie man vorgeht. Es wird versucht, ein Konsens aller beteiligten Parteien zu finden. Vor sieben Jahren ist das Projekt gestartet und mittlerweile gibt es die Cola in 70 Städten zu kaufen. Expandiert wurde auch schon. Bier wird auch verkauft.
An dem Produkt nimmt das Sogenannte Kollektiv teil. Das Kollektiv besteht aus Hersteller, Spediteure, Händler, Gastronomen und insbesondere auch Konsumenten. Jeder Teilnehmer (ausser natürlich die Konsumenten) partizipiert direkt an dem Produkt. Dazu gibt es auch eine genaue Aufstellung, wer wieviel Geld von jeder Flasche verkaufter Cola5 bekommt
Weiter: von jeder Flasche Premium-Cola / Premium-Bier sind 4 / 2 Cent für Sprecher/innen definiert, durch deren Aktivität sich überhaupt erst Kisten bewegen. Die gleichen 4 / 2 Cent bekommt auch der zentrale Organisator. Jeweils 1 Cent ist für die Organisationshilfe und den Buchhalter definiert, ebenso jeweils 1 Cent für das Etikett und den CO2-”Ausgleich”. Bei jedem Premium-Bier sind darüber hinaus 1 Cent für die Alkoholismusvorsorge und 2,36 Cent Biersteuer enthalten. 1 Cent je Premium-Cola trägt die Struktur (Server, Mailingliste, Steuerberater, …). 1 weiteren Cent legen wir außerdem für die allgemeine Steuer zurück, sowie zusätzlich 1 Cent je Premium-Cola / 0,5 Cent je Premium-Bier für Sicherheits-Rücklagen um z.B. mal einen Anwalt bezahlen oder Leergut nachkaufen zu können.
Die reinen Zutaten von Premium-Cola und Premium-Bier kosten übrigens nur 6,6 bzw. 15 Cent je Flasche, alles andere geht fast ausschließlich an Menschen die Arbeit machen.
Auch die Zusammensetzung der Cola ist besonders. Neben der hohen Menge an Koffein (die, in Deutschland erlaubte, maximalmenge) wird auch statt dem, in der Industrie üblichem und ungesundem, Zucker aus Maissirup/Glukose-Fruktose-Sirup der, aus den gesünderen Zuckerrüben gewonnen. Der Lieferweg zwischen Zuckerrüben und Cola-Abfüller ist sogar nur 42 KM lang, sodass Transportkosten gespart und die Umwelt geschont wird.
Bisher habe ich dieses tolle Getränk noch nicht probieren können, aber in nächster Zeit werde ich mal zum Getränkemarkt um die Ecke fahren. Da soll es die Cola nämlich geben. Wo es sie sonst noch gibt, kann man auf der oben verlinkten Homepage schauen.
Ich finde es toll, dass Menschen versuchen, neue Wege zu gehen. Nicht nur auf den eigenen Profit gedacht, nicht nur sein eigenes Süppchen brauen, sondern schauen, wie man das offen und transparent gestalten kann. Dadurch ist auch die Kundenbindung viel intensiver. Ich jedenfalls werde in Zukunft versuchen, beide Projekte zu unterstützen.
Kennt noch jemand andere Projekte, die auch nicht nach dem üblichen Schema ablaufen? Würde mich freuen, wenn ihr nen kurzen Kommentar hinterlasst, damit ich mir das anschauen kann.
- mehr Infos findet ihr unter http://www.buzzriders.com/ [↩]
- bekannt durch seinen ehemaligen Blog basikthinking, den er voreiniger Zeit bei Ebay für knapp 50.000 Euro verkauft hat [↩]
- sog. Buzzcamps [↩]
- alle Infos unter https://www.premium-cola.de/neu/home [↩]
- oder auch Bier [↩]
Schöner Beitrag zu Premium Cola!
Gruss,
Hannes
(Premium Cola Sprecher)