“Es gibt zuviele Leute, die sehr stark auf handgemachten Rock beharren und alles andere, wie z.B. Hip Hop für beknackt halten. Das ist rassistisch und wir finden das bekloppt.”
Dirk von Lowtzow
Als ich neulich das Fanta-4-Tribute-Album gehört hab, bin ich schon auf den jungen Mann aufmerksam geworden. F.R., geboren im Jahre 1990, in der Stadt, über die ich hier nun keine weiteren Worte verliere. Mit 13 brachte er sein erstes Album, “Das Mundwerk”, raus. Mit 13 hat er schon bessere Texte geschrieben als andere mit 30.Sein erstes Album bekam er mit 6 (von den Fantas) und nur 5 Jahre später hat er die ersten Texte selber geschrieben. Da war klar: Hip Hop ist seine Welt. Und das obwohl er kein typisches “Rapper”-Image hat. Er ist eloquent, kann sich artikulieren und hat einiges im Kopf1.
Eigentlich eh egal, das dreizehnte Lebensjahr
ist es in dem ich mich befind‘, bleib mit Leib und mit Seele da
ich weiß in der Szene Star sein ist oft der einzige Kick
du bist am Mic jetzt der Hit, aber hast die Zeit im Genick
und darum bleibe ich ich, und genieße Augenblicke
diese Augenblicke ham‘ mein Ziel und Traum im Blickfeld
Nach dem ersten Album ging es dann steil Berg auf. Die “Juice”2 erkannte in F.R. großes Talent und brachte ihn 2005 in einer Ausgabe unter. Wieder ein Jahr später folgte das 2. Album, “Mittelweg”, und mit dem Album auch ein Auftritt auf dem Splash-Festival3. Außerdem hat er mit bspw. Olli Banjo zusammengearbeitet und erschien auf einer Spezial Edition vom letzten Curse-Album “Freiheit”4.
Mittlerweile ist im Vergangenem Jahr sein 3. Album, “Vorsicht, Stufe!“, herausgekommen und es ist, ohne zu übertreiben, großartig. Man merkt definitiv, dass er etwas älter geworden ist. Die Musik klingt professioneller und die Texte durchdachter.
Er schreibt in dem Song “Prison” nicht über irgendwelche Gefängnis-Erlebnisse sondern über das “normale” Leben und das man in diesem eingeengt wird, einem die Freiheit und Kreativität genommen wird.
Sie fordern dich Mathe zu lernen obwohl die meisten nicht wissen für was sie da lern
Statt mit Sozialitäten oder dem Leben befassten sich Lehrer mit Noten vergeben
Der Staat presst uns in Schablonen für nen Hungerlohn, wir müssen funktionieren, lass die Seife fallen und er fickt dich in Arsch
Wenn ich mach was ich lieb ist das dumm von mir?
Freiheit ist wie ein Verbrechen, tanz aus der Reihe und du kriegst nichts zu essen
Lasst mich hier raus, ich fühl mich wie in einem gottverdammten…
(…PRISON)
Er rappt über Probleme und Ängste beim Erwachsen werden5, macht sich über die “Klischees” der Rap-Musiker bezüglich Sex lustig6 und die Probleme, die es gibt, wenn man Bekannt wird, man nicht mehr einfach so auf Partys gehen kann und Probleme hat, echte Freundschaften aufzubauen, aber er die Musik doch so liebt7.
Der absolute Höhepunkt aber ist ein Song, der sich um die Rap-Szene dreht. “Rap braucht Abitur” heißt der Song. Es geht um die Tatsache, dass Rap oder Hip Hop oft einen Negativen Ruf hat und die Waage ein Ungleichgewicht darstellt. Er versucht, mit seinen Texten, ein Gegengewicht zu den “Gangsta-Rappern” zu bilden. Einen frischen Wind will er rein bringen. Und das macht er mit diesem Song grandios.
Und in Warschau hätte man euch beneidet,
für das, was ihr Ghetto nennt.
Ihr Banger habt keine kümmerliche Statur, doch eure Texte erinnern an die Trümmerliteratur.
Wenn man sagt, dass man Rap hört, stellen sich 100 Fragen.
Und man fühlt sich so, als würde ne Rechtfertigung erwartet. Man.
Rap ist ne Waage, doch sie wiegt auf einer Seite nix.
Eff zu dem Arr, ich liefere das Gleichgewicht.
Fazit
Insgesamt ist einiges noch aufbaufähig, doch eine Kaufempfehlung für das Album (Auch wenn es schon nen Jahr alt ist), muss ich hier aussprechen. Das Album ist inhaltlich wie auch musikalisch auf sehr hohem Niveau und hat kein Füllmaterial. F.R. hat es hinbekommen, mit seinen gerade mal 19 Jahren, über Themen zu rappen und Inhalte rüber zu bringen, wie es nicht viele können. Ich könnte mir auch gut eine Zusammenarbeit mit anderen Rappern vorstellen. Curse hat zum Beispiel einen sehr ähnlichen Stil.
Die Songs von F.R. und wie er sich zeigt, erinnert mich oft an Eminem und ich kann mir vorstellen, dass er da snoch weit schafft.
Ich freu mich aufs nächste Album, welches voraussichtlich Anfang kommenden Jahres herauskommen soll.
- Abi ’09 [↩]
- größtes Hip Hop-Magazin Europas [↩]
- damals Europas größtes HipHop-Festival [↩]
- übrings auch ein Grandioses Album [↩]
- “Erwachsen werden“ [↩]
- “Rap ist mein Fetisch“ [↩]
- “Kopf gegen Herz“” [↩]